…und weiter gehts – Teil 2 – Status aus dem Krankenhaus

Nagut… Ich bin schon ein paar Tage zuhause, schulde Euch aber noch die weiteren Krankenhaustage! Deswegen gehts jetzt hier weiter:

Intensivstation -> normale Station

Nach der Nacht auf der Intensivstation kam ich dann auf die „normale“ Station. Was im St. Martinus Krankenhaus in Düsseldorf eher einen Hotelzimmer ähnelt! 2-Bett-Zimmer, komplettes Badezimmer auf dem Zimmer, jeder hat seinen eigenen Fernseher, elektrisch Verstellbare Betten (meins haben die aufgrund meiner größe auch sofort verlängert), und das coolste (im wahrsten Sinne des Wortes): Ein Nachttisch mit eingebautem Kühlschrank!!! Also pro Bett! Jeder seinen eigenen (sehr leisen) Kühlschrank.

Also wie schon gesagt, es wurde leider schon ca. 11.30 Uhr als ich auf die normale Station kam. Meine Sachen waren schon im Schrank, und ich lag etwas verdaddert im Bett. Ist ja klar, nach so einer OP! Nunja, ich begrüsste meinen Zimmer-Nachbarn (Huhu Egon!). Nachdem wir uns ausgetauscht hatten was wer hatte, habe ich eigentlich schon fast wieder geschlafen. Ich denke das mich die Medikamente und die Narkose so extrem Müde gemacht haben. Kurz darauf kam meine Frau mit unserer Freundin Maren ins Zimmer gestiefelt um mich zu besuchen. Wie schon gesagt… ich war im Fast-Schlaf, also noch ziemlich fertig. Aus diesem Grund blieben die beiden auch nicht so lange, damit ich ich weiter ausruhen konnte. War aber super das die beiden da waren. In einer Klinik 88km von zuhause weg zu liegen ist eben ein wenig seltsam und man bekommt schnell Heimweh.

Der Tagesablauf gestaltete sich ziemlich ruhig und ich hatte keine Schmerzen. Naja, auf der Seite schlafen konnte ich zwar noch nicht, aber sonst nix. Kein garnix… kein Zwicken, nerven, stechen, schmerzen… Nix! Ich dachte teilweise das die mich verarscht hatten! Nur 5-kleine Schnitte gemacht, damit es nach was aussieht und dann nix trinken dürfen, damit es professioneller wirkt?? Nicht mit mir! 🙂

Trinken durfte ich bis spät Nachmittags immer noch nichts, sondern nur mit dieser dämlichen 20ml Spritze alle 15 Minuten meine Zunge wässern. Aber dann: „Möchten Sie einen Tee zum „Abendessen““? „JAAAAAAAA!!!!!“… ich durfte (nach 20facher Nachfrage ob das wirklich okay sei) endlich trinken. KLEINE SCHLÜCKE!! WIRKLICH KLEIN!! Was für eine Erleichterung! Kennt ihr noch den Typen in den 90ern der in der Punica Oase unterwegs war?? Genau so habe ich mich Gefühlt! Es wurde echt Zeit! Beim 2. oder 3. Schluck merkte ich dann aber auch das da doch was ist. Ein seltsames Gefühl… irgendwie, als wenn der letzte Schluck steckenblieb… so fühlt sich das also an. Eine Sekunde später war dieses Gefühl wieder weg und mein „Magen… naja Pouch“ gluckerte lustig vor sich hin. Alles cool!

Als ich das fühlte, gingen ganz andere Gefühle in mir los. Eine Art „Schutzmechanismus“ war ohne mein zutun auf einmal da! Ich hörte auf meinen Körper. Er spricht wirklich mit mir, in dem er mir andere Gefühle vermittelt als die die ich kannte. Bis jetzt gab es kein Satt für mich, sondern nur fressen bis mir schlecht wird. Es gab aber dafür Hunger, diesen ständigen und immer präsenten Hunger. Ich hörte in meinen Körper hinein und versuchte herauszufinden wann ich eeeeeeendlich (hatte ja mehr als 2 Tage nix gegessen) wieder Hunger bekomme. Die schlichte Antwort: Garnicht. Ich habe seit dem Tag kein einziges mal mehr Hunger gehabt! Keinen Hunger! Stellt Euch das mal vor! Null, nix, keinen!!

Ich gebe zu das ich mir kurz nach der OP dachte ob es alles richtig ist was ich hier mache. Ob ich vielleicht über das Ziel hinausgeschossen bin? Ob meine Lebensqualität nicht viel zu sehr darunter leidet. Den Gedanken hatte ich bis ich Samstags realisiert hatte, dass es ganz und gar nicht so ist. Im Gegenteil: Sascha 2.0! Jetzt geht es nochmal richtig los! Es ist ein Wunder der Moderne das man so etwas überhaupt operieren kann. Das man einem verzweifelten, adipösen Menschen, der jeden Tag gegen seine Umwelt und sich selbst kämpfen muss noch eine zweite Chance geben kann.

Die restlichen Tage waren ganz normal im Krankenhaus. Ab Samstags nahm ich keinerlei Schmerzmittel mehr ein ich bekam (jeden) Morgen Brühe und Milchsuppe (ich hatte das Gefühl im Werner-Film zu stecken), Mittags Brühe und gedingsbumste Suppe, Abends Brühe und Milchsuppe.. Naja die Speisekarte war nicht umfangreich, aber wenigstens ein wenig Geschmack auf der Zunge. Auch wenn ich nie ein Schälchen wirklich leer bekommen hatte. Ich wurde also auch wieder klarer in der Rübe und war auch wacher. Meine Familie und Freunde kamen mich ab und an besuchen, ich ging auch mal wieder mit „dampfen“ (E-Ziggi, nicht Fluppe. Weil Fluppe sowieso Bäh und E-Ziggi = Toll!) und die Zeit verging. Oh wartet, die „Ich will duschen Story“… die muß ich Euch noch ertippen!!!

Reinigung der Plauze – oder – Frostschock beim Duschen

Am Wochenende wurde klar das ich, wenn nix böses dazwischen kommt, am Montag das St. Martinus verlassen kann und endlich nach Hause darf.

Sonntagmorgen dachte ich mir dann: Kerl, Du hast seit Donnerstagmorgen nicht mehr geduscht! Nur gewaschen.. Du müffelst.. Bäh! Und rasieren könntest Du Dich auch mal! Du willst am Sonntag wenn Deine Frau Dich besucht ja nicht riechen wie ein toter Bär. Also fragte ich die Krankenschwester: „Wie isset, darf ich schon duschen?“ sie meinte „Ja sicher!“. 🙂 Ich wollte gerade ins Badezimmer stürmen, als die Krankenschwester meinte: „Es gibt nur ein Problem. Wir haben im ganzen Krankenhaus gerade ein Ausfall der Warmwasser-Versorgung. Was den Vorteil hat, dass alle Patienten die wir waschen mussten jetzt knallwach sind!“ Mist. Also erstmal weiterstinken. Ab und an sind dann ich, mein Bypass (der noch keinen Namen hatte) und meine Dunstwolke ins Badezimmer gelatscht um zu gucken ob das Wasser wieder warm wird. Das so im 15 Minuten Takt. Mittags habe ich mir dann gedacht: „Scheiss drauf (würde man ja sowieso nicht riechen), Du gehst jetzt kalt Duschen!“. Vorher hatte ich von einer Ärztin noch neue Pflaster (das erste mal nach der OP) aufgeklebt bekommen mit dem Vermerk: „Nach dem Duschen können Sie die wieder abmachen wen sie nicht irgendwo noch Wundsekret verlieren. Das sind selbstheilende Nähte, da passiert nix, ausser wenn Sie ne Stunde Baden gehen würden.“. Ich also ins Badezimmer und Klamotten runter (ja, auch ich Dusche nackt) und versuchen unter dem eigenen Gestank nicht zusammen zu brechen (oder nur zu brechen). Unter die Dusche gestellt und das Wasser langsam angemacht, so dass es fast Tröpfchenweise aus dem Duschkopf kam. Ich gebe zu, mir wurde teilweise ein wenig schumerig und ich musste meine Schreie unterdrücken. Sah von aussen bestimmt aus als wenn ich ne „Scream-Maske“ aufhatte. Egal. Nach 15 Minuten war ich kalt geduscht (bin also jetzt ein Kaltduscher und kein Schattenparker!) und habe meine Orange Plauze (von dem Desinfektions-Zeug aus dem OP) von seiner lustigen Farbe befreit. Dann fing ich an mir die Haare zu waschen, also die drei Stoppeln auf meinem Kopf die täglich mit Head & Shoulders eingerubbelt werden wollen, da die sonst aus Protest schuppen! Und das Wasser wurde auf einmal… Rate mal. Genau! Warm! Endlich! Nach dem ich also fertig bin mit Duschen wird es warm! War Murphy mit im Badezimmer? Ach wurst. Ich bin noch 5 Minuten drunter stehen geblieben und habe mich gefreut wie Tom Hanks in Castaway, als er seinen Ball wieder hat.

Danach war ich also nur noch zu zweit. Ich, der Bypass und keine Dunstwolke mehr. Was für eine Wohltat.

Nachtrag – Die Vitaminkur für die Unterhaut

Was brauch ein Bypässler wenn er denn einen Bypass hat? Richtig! Vitamine. Ich habe diese per Tropf bekommen. War ne gute Sache, bis auf das der Tropf nicht tropfte ausser wenn ich armer Tropf den Tropf zum tropfen brachte indem ich ne Faust ballte. Denn nur so floss es. Einem Tropf beim tropfen zuzusehen ist aber ungefähr so einschläfernd wie… mhhh.. schlafen (Beispielsweise). Ich dachte mir aber: „Nö, nicht wieder pennen“ und überlegte mir eine Art wie man äußerlich wachbleibt aber man sein Gehirn trotzdem zu feinstem Niederrheinischen Mus verarbeiten kann. Ich schaltete also die Glotze an. Nach ca. 45 Minuten dachte ich mir: „Was spannt meine Hand denn so? Ist das wegen dem Verband den ich darum hatte??“ ich guckte meine Hand an und dachte mir „FUCK!“. Dann klingelte ich erstmal nach der Krankenschwester. Die kam an, sah meinen Arm und meinte: „Puhaaaa, sie haben ja ne riesen Hand! 🙂 Da ist wohl was daneben gelaufen, naja, das ist nach 1-2-3-4-5 Tagen wieder weg! Dann bekommen Sie die nächsten Vitamine oral und ich entferne Ihnen mal die Nadel!“. Super 1-100 Tage… Ich konnte die Hand nicht mehr schließen da es so spannte. Aber das ging nach ein paar Tagen vorbei. 2 waren es. Nicht 100!

Arm

Meine Oralen Vitamine bekam ich wie folgt: „Machen Sie mal den Hintern frei und drehen Sie sich auf die Seite!“, mein Kommentar: „Wenn Sie denken das das bei mir oral ist, dann liegen sie aber falsch!“, sein Kommentar: „Ne, sie bekommen eine Vitamin-Spritze!“, ich dann: „Dann bin ich wiederrum froh das sie denken das da mein Oral-Eingang ist!“.

In die Moral von der Geschicht: Hast n Bypass, merkstes nicht! 🙂

Nein, wirklich: Alles perfekt gelaufen. Mir geht es gut!